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18.10.2011, 18:00

Tagebuch der Red Bull X Alps

meine Erlebnisse während der X Alps, mit ein bisschen Abstand betrachtet! Teile abgedruckt im aktuellen DHV Info

Ein persönliches Tagebuch unseres Abenteuers während der X Alps. Teile davon sind im akteullen DHV Info zu lesen, und das komplette gubt es hier.

Vielen Dank noch mal an alle die uns angefeuert, mitgelitten, unterstützt und motiviert haben.

Erste Vorträge finden bereits statt, wenn Interesse besteht einfach anfragen.

Tagebuch Red Bull X Alps 2011

 

Tag 1

 

Salzburg - 11.30 Uhr - Startschuss..

Endlich geht es los, es ist gut endlich laufen zu können, dem Adrenalin platz zu machen, das sich über Monate der Vorbereitung angestaut hat.

Dadurch angetrieben war ich schnell oben, auf dem Gaisberg. Ich wartete erstmal auf einige andere Piloten um zusammen starten zu können. Nachdem keiner so recht loswollte, startete ich als erster ins völlig Blaue, was sich als Verhängnis herausstellte. 10 Minuten später stand ich am Boden. Und Jetzt? Zurück zum Gaisberg war es zu weit, vor allem da sich eine Front aus Norden ankündigte, also gab es nur die Flucht nach vorn. Ein Blick in den Himmel erwies sich als schlechte Motivation, zu sehen wie der ganze Pulk über einen davon segelte, verursacht durch die eigene Ungeduld. Meine erste Frage an Flo, meinen Supporter war, ob noch irgend jemand hinter uns sei. Ich dachte in dem Moment, dass praktisch die ganze Meute schon über alle Berge ist. 

Der 2. Versuch zu starten, wurde von der heranziehenden Front vereitelt. Genau als ich den Schirm auspackte zog die Böenwalze über mich herein. Ab da war es klar, marschieren was geht, in Richtung Dachstein. Unterwegs hatte ich noch eine unheimliche Begegnung mit einem Bauern, den ich in einem wirklich einsamen Tal nach dem Weg fragte. Er drohte mir, mit der Bierflasche in der Hand, sofort seine Flinte zu holen, wenn ich den Forstweg durch seinen Wald fortsetzen würde, schließlich zahle er Grundsteuern und er würde auch nicht durch mein Wohnzimmer laufen! Ok! Verstanden! Nach kurzer, sinnloser Diskussion, drehte ich um.

Nachts traf ich noch mit dem Brasilianer zusammen und wir beschlossen am nächsten Tag gemeinsam Richtung Dachstein zu starten. 

Am Ende war ich dann doch überrascht, dass sogar noch ein paar hinter mir waren und die ersten nicht mal völlig ausser Reichweite standen. Platz 25 war das Tages Resumee, die Stimmung eher am Boden.

 

Tag 2

 

Vier Uhr morgens, starker Regen, viel zu kalt für Juli. Wir entschieden uns für den westlichen Aufstieg zum Dachstein, über die Adameck Hütte und die Symonischarte. Der Aufstieg bis zur Adameck Hütte war lang und in unserem Tempo auch sehr kraftraubend. Ab der Hütte ging ich dann alleine über den Gletscher weiter, um den Einstieg zum Klettersteig zu suchen. Es gestaltete sich schwierig, da es starken Nebel hatte, regnete und später dann in Schneeregen überging. Vor mir konnte ich irgendwann kurz das Team JAP2 im Nebel sehen, die aber einen anderen Weg einschlugen. Dann fand ich die senkrechte, teilweise leicht überhängende Wand in die das Stahlseil führte und die sich im Nebel und Schnee verlor. Aber gut das war mein Weg! Somit hieß es 1,5 Stunden am Seil und im Fels nach oben ziehen, was mich die letzte Kraft des Tages kostete! Der Rucksack machte die Sache nicht angenehmer.

Der Lohn war dann allerdings, dass ich auf den letzten Metern über den Dachstein Gletscher die Nachricht von Florian bekam, dass wir einige Plätze aufgeholt hatten und der Anschluss an die vordere Gruppe wieder hergestellt war. Somit kam auch die Motivation wieder zurück.

An starten war leider nicht zu denken, dichter Nebel und starker Wind! Zwei andere Athleten hatten Glück und konnten ein paar Stunden vorher bei weniger Wind und in einem Nebelloch starten, dann allerdings wurde jeder Startversuch durch den stürmischen Wind unmöglich, was auch einige andere Athleten am eigenen Leib erfuhren, als sie es dennoch versuchten. Das wollte ich mir ersparen - also weiter zu Fuß...

Nach dem Abstieg durch die Südwand, gab es unterhalb der Südwand Hütte noch mal die Chance auf einen kurzen Abgleiter, der dann durch den starken Regen gestoppt wurde.

Bis in die Nacht dann Richtung St. Johann marschiert, mit dem Ergebnis, das ich mich auf dem 16. Platz wieder fand. Neun Plätze aufgeholt, die paar Stunden Schlaf hatte ich mir verdient.

 

Tag 3

 

Angekündigter Südföhn trieb mich an, früh auf dem Berg westlich von St. Johann zu stehen. Dort angekommen überraschte uns ein starker Ostwind - ohne jede Chance irgendwie nach Osten in die Luft zu kommen. Also stieg ich auf der Südseite wieder ab und konnte zumindest in Richtung Westen abgleiten, wo ich mit Heli Eichholzer wieder zusammentraf, den auf der gegenüberliegenden Talseite genau das gleiche Schicksal erwischt hatte. Besser lief es für das Team BEL und GBR, die weiter westlich vom Ostwind geschützt waren und einige Kilometer in der Luft zurücklegen konnten.

Wieder stand ein Lauftag an, da der Föhn uns im Tal schon stürmisch aus Süden entgegen wehte. 

Ich hörte, das wohl schon jemand am Glockner gestartet war. Was mich dann natürlich beim Anstieg motiviert hat- das war ein klares Ziel vor Augen: gut vor 21 Uhr oben sein, um den Weg nach unten fliegend zurückzulegen. Das erste Ziel habe ich erreicht und war in Rekordzeit oben am Hochtor. Allerdings war für mich schnell klar, dass der Luftweg, durchzogen von Windböen mit geschätzten 60 km/h, nicht meinen Weg nach unten darstellte.  Nachdem ich dann noch von diversen positiven und negativen Startstunts anderer Piloten vor mir hörte, war es klar zu Fuß weiterzugehen. Die ersten Schritte haderte ich mit meiner Entscheidung, man ist in einem Wettbewerb und will schnell sein und weiß genau man verliert jetzt einige Stunden und noch viel mehr an Kraft, aber dann muss man sich vor Augen führen das es eben doch „nur“ ein Wettbewerb ist und es keinen Sinn macht sein Leben aufs Spiel zu setzen.

Und das schöne ist, das man dann im Nachhinein merkt dass es doch möglich ist mit dieser Einstellung weiter nach vorne zu kommen.

Nachts erreichte ich im Schneegestöber noch den Glockner Zylinder und hatte mich wiederum im Ranking gut verbessert. Platz 12.

 

Tag 4


 

In der früh um 4 Uhr hatte es starken stürmischen Nordwind und es schneite und regnete stark, daher beschloss ich mit Florian nicht zu warten, sondern gleich zu Fuß Richtung Lienz zu laufen. Beim aufstehen merkt man schon deutlich die Erschöpfung und Müdigkeit, man hört den Wecker, weiß dass man raus sollte, aber es kostet doch mehr als 15 Minuten sich aus dem Schlafsack in den kalten, stürmischen und ungemütlichen Regen zu quälen. Und zudem sind die Schmerzen da, man hat das Gefühl das speziell die Füße extrem gereizt und empfindlich sind. Wenn man dann trotz der brennenden Sohlen losmarschiert ist die erste halbe Stunde erstmal wie ein auftauen des eingerosteten Körpers und schnell ist man zu dieser Stunde auch nicht unterwegs! Da muss man sich dann selbst antreiben und sich nötigen an Tempo zuzulegen.

Vom Iselsberg, dann noch bis Lienz abgeglitten, das wars dann fliegerisch für den Tag. Es gab immer wieder Regenschauer aus einer tiefen Basis, bei 8/8 Bewölkung und starkem Westwind. Machte für mich keinen Sinn noch mal irgendwo hoch zu marschieren um auf einen guten Flug zu hoffen.

Der folgende Radweg von Lienz bis Sillian, immer an der Drau entlang, war für mich einer der härtesten mentalen Abschnitte. Ca. 8 Stunden, es verändert sich praktisch gar nichts und der Körper ist fertig wegen der immer gleichen Belastung auf dem ebenen Asphalt. Da benötigt man gute Musik, gute Nerven und immer wieder ein aufmunterndes Telefonat um 

nicht durchzudrehen...


Die einzige Spannung bestand dann gegen Ende darin, welche Gruppe wohl eher in Sillian ankommt, diejenigen welche die nördlichere Route gewählt hatten oder unsere Gruppe über Lienz. Am Ende stellte es sich als ungefähr gleich schnell heraus. Auf jeden Fall hatte ich mich bis in die Nacht wieder etwas vorgearbeitet und war nah dran an der Gruppe vor uns. Ausser Chrigel und Coconea waren erstmal alle noch eng zusammen.

 

 

Tag 5

 

Zusammen mit Tom ( BEL ) machte ich mich am morgen auf um zügig zu den Drei Zinnen zu kommen. Der Wetterbericht machte uns Hoffnung auf einen gute Flugtag und es schien auch mal tatsächlich so zu sein. Direkt an den Drei Zinnen trafen wir fast mit der ganzen Gruppe vor uns zusammen, kurz wurde über den besten Startplatz und die Route beratschlagt und dann trennten sich unsere Wege wieder, zu verschiedenen Startplätzen. Tom und ich blieben zum Glück bei unserem Plan direkt unter der Südwand der Zinnen zu starten und den direkten und kürzesten Weg durch die Dolomiten zu nehmen. Es ging wie erwartet und wurde ein richtig schöner Tag, wenig Wind in der Höhe, perfekte Wolkenthermik und durch den leichten Nordwind eine geniale Sicht. Unser „Synchronflug“ führte uns über Cortina d´Ampezzo, den Falzarego Pass, über Corvara bis St. Ulrich. Dort wurde dann der Nordwind stärker und die Überentwicklungen „regneten“ uns vom Himmel.  

Ein erneuter Startversuch bei Lajen, um das Etschtal zu queren, wurde durch die ausfließende Kaltluft aus Norden ziemlich schnell zunichte gemacht. Kurz unterhalb des Startplatzes endete der Flug zwischen Weinreben und Stromleitungen, hart in einem Hühnergehege. Tom verschonte die Hühner und landete zwei Weinstöcke weiter rechts und wir waren wieder vereint.

Tom und ich wollten am nächsten Tag pünktlich an einem guten Ausgangspunkt zum fliegen stehen und entschlossen uns zu einem Gewaltmarsch bis Bozen, von dort die einzige erreichbare Startvariante war Meran. 

Nachts campierten wir direkt im Stadtzentrum von Bozen. Durch die Pausenregelung wurde es zu einem wichtigen strategischen Faktor, rechtzeitig aber auch nicht zu früh an einem vernünftigen Schlafplatz zu stehen. Eine Aufgabe die Flo mein Supporter wirklich perfekt löste. Wir nutzten die Zeit meist bis zu den letzten 5 Minuten vor 23 Uhr und hatten immer einen vernünftigen Platz zum schlafen. Dieser zufriedenstellende Tag, hatte uns bis auf den 5. Platz katapultiert, aber wir hatten noch 35 km auf dem Weg zum Startplatz in Meran die vor uns lagen! 

 

 

Tag 6

 

Unser Ziel war klar, die Kilometer auch.  Das hieß für uns, mindestens die Hälfte der Strecke mussten wir rennend zurücklegen, ansonsten hätten wir uns den angekündigten guten Flugtag vom Tal aus ansehen können.

Wir erreichten dann auch wirklich pünktlich den Startplatz, um dann erstmal festzustellen, dass uns das ganze Vinschgau hinein Regenschauer, Abschattungen und starker Nordwind erwartete. Nachdem wir den ersten Regenschauer schlafend am Startplatz abgewartet hatten starteten wir kurz vor dem zweiten. Durch die extreme Labilität,  ging ein Regen- bzw. Schnee- oder Hagelschauer nach dem anderen runter, aber genauso stark war die Thermik, die sich mit dem kräftigen Nordwind zu einem richtig knackigen Cocktail entwickelte. Wenn man den Bart sauber zentriert hatte, katapultierte es einen nach oben und dazwischen war man beschäftigt seinen Schirm am fliegen zu halten. Es half und motivierte uns beide, dass wir die ganze Strecke Flügel an Flügel fliegen konnten und nicht vorzeitig entnervt aufgaben, denn einfach war das nicht. Es kam uns dabei auch zugute, das wir genau die gleiche Ausrüstung und Schirmgröße hatten, somit funktionierte das zusammen fliegen hervorragend.


Den letzten Bart vor der Querung in Richtung Prado erwischte ich etwas besser und fand auf der gegenüberliegenden Talseite noch einen schwachen Anschluss um noch ein paar Kilometer Richtung Stilfser Joch zu kommen. Leider kam mir auch dort schon wieder der Regen entgegen und es war komplett schattig. Das Wetter hatte entschieden: „ Genug geflogen!“

Nun stand mal wieder ein Spurt auf dem Plan, um rechtzeitig vor 23 Uhr am Pass zu sein und fliegerisch noch Richtung Bormio zu kommen. Eine halbe Stunde vor Flugfenster Schluß erreichte ich die Passhöhe, immerhin 2700m und konnte noch in den entgegenkommenden starken Regen Richtung Bormio abgleiten, Auf der Hälfte der Strecke war allerdings wegen der Zeit und des Regens Schluß. Die restliche Zeit auf dem Weg in Richtung Bormio schüttete es wie aus Eimern.

Nach dieser Aufholjagd fand ich mich vorerst auf dem 3. Platz wieder. Da hätte ich bleiben sollen.

Chrigel konnte diesen aussergewöhnlich labilen Tag perfekt nutzen, da er deutlich weiter südlich war und nicht durch den starken Nordwind und die ständigen Schauer gestört wurde. 

 

 

Tag 7

 

Der Tag an dem nichts so richtig funktionierte! In der früh ging es gleich weiter Richtung Bormio und Val Viola. Am dortigen Pass zu starten funktionierte schon mal nicht, da es starken Nordwind hatte. Meinen Plan auf der Südseite etwas aufzusteigen um dann nach Norden zu starten verwarf ich nach der Hälfte des Anstieges auch wieder, da der nächste starke Regenschauer wartete. Bis zum Bernina Paß zu gelangen stellte keine Schwierigkeit dar, doch dort angekommen, entschied ich mich wegen mangelhafter Planung für einen völligen Irrweg um in den Sektor zum Piz Palü zu kommen. Nach 3 Stunden Aufstieg im sehr steilen und völlig unwegsamen Gelände stellte ich fest, das ich erst wieder 500 Höhenmeter nach unten musste um endlich den Sektor zu erreichen, das Problem war das Gelände, es war teilweise Kletterei, teilweise auch unpassierbar und ausserdem hätte man die ganze Tortur auch in einer Stunde auf einem anderen Weg schaffen können und zur Krönung ging mir auch noch essen und trinken aus! So war ich am späten Nachmittag fix und fertig in Poschiavo und traf dort endlich wieder auf meinen Supporter, der mich physisch wie psychisch wieder aufpäppelte.


Nun war klar das ich in den Süden Richtung Tirano musste, was bis zu diesem Zeitpunkt fliegerisch die bessere Position darstellte, da für den nächsten Tag mal wieder sehr starker bis unfliegbarer Nordföhn angekündigt wurde. 

Das ärgerliche an diesem Tag war der enorme Kraftaufwand und das ich durch meinen eigenen Fehler nicht von der Stelle gekommen bin, da wäre deutlich mehr drin gewesen. Die Anderen kamen allerdings auch nicht so recht vorwärts, so war ich am Abend immer noch auf dem 5. Platz.

 

Tag 8

 

Den ursprünglichen Plan, gleich nach Tirano, rechtzeitig an einem guten Startplatz zu stehen, cancelten wir am frühen morgen und nach den ersten 400 Höhenmetern Anstieg. Zu schlecht sah im Moment noch das Wetter aus. Es machte mehr Sinn erstmal zu Fuß weiter zu gehen und es dann später noch mal zu versuchen. 

Um wenigstens noch ein paar Meter bis zum Talboden abzugleiten, legten wir erstmal die Zementpflöcke eines zukünftigen Weinberges flach, um dann mit dem noch triefend nassen Schirm wenigstens ein paar Meter weit zu kommen. Flo war dann erstmal beschäftigt den Weinberg wieder in Ordnung zu bringen, bevor er mir wieder folgen konnte. 

Bis Sondrio hatte der Föhn dann ganze Arbeit geleistet, den Regen weggeputzt und ich beschloss einen weiteren Versuch zu starten fliegend in Richtung Comer See zu kommen. Nach dem Start katapultierte es mich auch gleich nach oben, leider sah ich mich dann 5 Minuten später wieder auf Startplatz höhe. Das Spiel wiederholte sich noch zwei weitere Male. Wie es sich anfühlt im starken Nordföhn auf der Südseite zu fliegen? Nicht gut! Gar nicht gut! Ich gab dann etwas entnervt auf, versuchte noch auf die nächste Ridge zu kommen um im Talwind soarenderweise weiterzukommen, aber auch daraus wurde nichts. So machte ich mich ziemlich geknickt auf, um mal wieder zu Fuß, den Comer See zu erreichen. Dann stellte sich auch noch heraus, dass die Nordseiten doch besser fliegbar waren und man zumindest auf der Luvseite war! Jetzt war ich bedient...

Der Tag warf mich mental und platzierungsmässig ein ganzes Stück zurück.

 

Tag 9

 

Mit etwas Wut und auch Vorsicht im Bauch, entschied ich mich für die lange Aufstiegsvariante um wenigstens sicher Richtung Lago Maggiore zu kommen. Es wäre dann auch einfacher gegangen, da sich der Tag prächtig entwickelte, aber zu Fuß ist einmal entschieden, einfach entschieden...

Diejenigen welche mich an diesem Tag im Live Tracking verfolgt haben, hat es sicher ein paar Nerven gekostet, alle am fliegen und ich bin erst um 14 Uhr in die Luft gekommen.

Die erste Stunde habe ich alle meine Geduld zusammengenommen, denn es war komplett abgeschattet und bin extrem vorsichtig in Richtung Mt. Tamaro geflogen, um von dort zur Seequerung nach Cannobio anzusetzen. Auf der anderen Seeseite fand ich mich dann in 150m über Grund wieder, an einem Eingang zu einem wirklich unlandbaren Tal in Richtung St. Maria Maggiore. Aber glücklicherweise stand die Thermik dort wo ich sie erwartete und ich konnte mir dieses nette Tal aus ausreichender Höhe anschauen. Da ich sehr spät unterwegs war erwarteten mich irgendwann wieder die unausweichlichen Regen- und Hagelschauer und es reichte leider nicht ganz um noch bis Domodossola zu kommen. Oft liegen nur 100 Höhenmeter zwischen sehr viel weiter kommen oder am Boden stehen. So hätten mir hier auch die berühmten 100m gereicht, um noch ins Tal zu gleiten und wenigstens noch 10km weiter zu kommen, was zu Fuß einfach zwei Stunden weniger laufen bedeutet hätte.

Nach kurzer Überlegung und dem Wettercheck war dann für den nächsten Tag klar nicht die Flugvariante zum Matterhorn, sondern erstmal die sichere „Bergsteigervariante“ zu wählen, was sich auch als goldrichtig herausgestellt hat.

Durch den Flug hatte ich den Anschluss nach vorne wieder hergestellt und es versprach ein spannender nächster Tag zu werden, da es sehr verschiedene Ausgangspositionen gab.

 

Tag 10

 

Zum Frühstück standen erstmal 25 km Marsch nach Macugnaga ans Talende auf dem Programm. Dort erwartete mich schon Dominik ein befreundeter Bergführer aus dem Allgäu. Für die Überquerung des Gletschers war es Pflicht, von Seiten der Veranstalter,  einen Bergführer an der Seite zu haben, da dort kein Weg markiert ist und es sehr viele gefährliche Gletscherspalten gibt.

In zügigem Allgäuer Tempo nahmen wir den Aufstieg in Angriff. Erst brannte uns noch die Sonne auf den Kopf aber schon bald waren wir vom Nebel verschluckt. Die erste Etappe bis zur Sella Hütte auf 3000m kostete schon richtig Kraft, danach war ich etwas abgelenkter da es in leichte Kletterei überging, aber insgesamt ist es schon sehr zehrend den Körper in dem Zustand noch auf 3700m zu schleppen!


Auf jeden Fall war die Erschöpfung wie weggeblasen, als wir am Weisstor auf den Gletscher kamen und einigermaßen gute Sicht, nur leichtes Schneetreiben und perfekten Startwind hatten. Nach einem kurzen Spurt zu einer etwas steileren Stelle, war schnell alles fertig zum fliegen. Die Schwierigkeit an diesem Gletscher besteht darin, das alles extrem flach ist und man es tunlichst vermeiden sollte in den unteren Bereichen des Gletschers ein zu landen, da er dort praktisch nur aus Spalten besteht.

Nach kurzem Zwischenstop am Rothorn, um auf die Luvseite des Talwindes zu kommen, ging es dann fliegend weiter Richtung Sektor Matterhorn und von dort wieder Richtung Zermatt. Dort wurde es noch mal spannend beim landen mitten im Ort, aber was das angeht wird man bei den X Alps erfinderisch, ich wählte einen sehr kleinen gemütlichen Hanggarten. Auch bei diesem Flug war von der Sonne weit und breit nichts zu sehen. 

Paul (AUT4) zog an diesem Tag einen wirklich guten Joker und wechselte auf die Südseite des Matterhorns und konnte uns damit uneinholbar abhängen.

Nachts, als ich das Mattertal hinausmarschierte, kam mir auf einmal ein wild grün,- rot,- gelb blinkender Zug entgegen, ich kapierte erst als ich den wild winkenden Lokführer sah, dass er mich meinte und mir seinen Respekt zollte! Es ist immer wieder toll, wenn man Leuten begegnet, die einen vom Auto, vom Fahrrad, zu Fuß, vom Balkon, der Haustüre oder wo auch immer aus, anfeuern und motivieren. Einen Dank hiermit auch an Alle, die vor dem Computer dabei waren und die vielen motivierenden Gästebuch Einträge verfasst haben!

 

 

Tag 11

 

Nachdem die Wettervorhersage nur ein kurzes Fester am morgen zum fliegen offen ließ, stiegen der Niederländer, der Brite und ich, unabhängig voneinander, auf den gleichen Berg, am Ausgang des Mattertals um den Weg ins Wallis etwas zu verkürzen. Aus welchen Gründen auch immer landeten sie ca. 10 km vor mir und jetzt stand für uns alle ein langer Wandertag an. Wieder ein Tag, der mich sehr stark mental und körperlich forderte. Mittags war die Müdigkeit so stark, das ich fast im gehen einschlief. Dann kommt dazu, dass man stundenlang einfach nur die Rhone entlang läuft und es passiert nichts, ausser das der Körper die immer gleiche Belastung aushalten muss und es einem irgendwann richtig zu schmerzen anfängt. Es begegnet einem nichts, was von den Schmerzen ablenkt - man ist alleine unterwegs mit seinem Rucksack, seinen klappernden Stöcken und dem gepeinigtem Körper. Jetzt ist es extrem wichtig, dass man es schafft sich davon abzulenken, womit auch immer - eine Herausforderung. Das interessante ist, wenn man sich mit den anderen Athleten unterhält, dass es im Prinzip jedem, irgendwann im Laufe des Rennens, ähnlich ergeht. Tom erzählte mir von seiner Theorie sich in die Rhone zu schmeißen und einfach treiben zu lassen, es wäre auf jeden Fall schneller als gehen, das habe er mit ein paar Grashalmen getestet...! Gedanken die einem dort durch den Kopf gehen!

Das Ziel Martigny war verdammt weit, aber ich erreichte es in den letzten Minuten vor 23 Uhr. Und das war gut so denn ich hätte an diesem Tag auch keinen einzigen Schritt mehr weitergehen können.

 

Tag 12

 

 

In der früh um 4 Uhr durch Martigny war mein Tempo sicher nicht mehr viel schneller als das einer Schnecke. Es dauerte speziell nach diesem Vortag sicher 20 Minuten, bis ich wieder meinen Schritt aufnehmen konnte. Die Vorhersage machte eigentlich Hoffnung auf ein fröhliches Date mit der Thermik, daher war das Ziel pünktlich in Chamonix am Start zu stehen. Aber die Realität war mal wieder deutlich feuchter, es schüttetet bis 9 Uhr erstmal wie aus Kübeln, um dann mit nur ein paar kurzen Pausen, den ganzen Tag so weiterzumachen.

Den Niederländer und Briten hatte ich in der früh wieder eingeholt, und so war es den ganzen Tag ein lustiges Wechselspielchen, wir bekamen uns eigentlich nie wirklich zu Gesicht, waren aber immer nah zusammen. In der Früh konnten wir gerade noch Richtung Chamonix fliegen, bevor es hinter uns wieder dichtmachte, dann zu Fuß bis les Houches und dort ging es zum nächsten Startplatz. Wurden dort alle drei mit ein paar Sonnenminuten belohnt, die uns auch gleich bis an den Fuß zum Col de la Jolie fliegen ließen. Hinter uns war der Berg sofort wieder in Wolken, also man kann somit auch von Glück sprechen, das wir an diesem bescheidenen Tag hatten...Doch manch anderer hatte einfach mehr Glück!


Der vierte Pass für mich an diesem Tag war dann der Col de la Jolie, er präsentierte sich  im Dauerregen. Oben angekommen hörte es etwas auf, der Nebel lichtete sich und schon war ich weg. Kurz danach sah ich dann auch meine zwei Kumpanen hinunterfliegen Richtung Beaufort. Noch war es nicht völlig ausgeschlossen Monaco zu erreichen, aber wir hätten dafür wirklich gutes Flugwetter benötigt. Chrigel hatte das Ziel erreicht und so  begann der Kampf um die Platzierung. Wir pendelten uns an diesem Tag zwischen dem 5. bis 7. Platz ein. 

 

 

Tag 13

 

Alle drei standen wir in der früh an einem guten Startplatz und hofften auf die angekündigten Bedingungen. Ich zog leider die Niete, war zu hoch, die Basis stieg einfach nicht bis zum Startplatz und ich kam aus meinem Tal fliegerisch nicht heraus, da ich eine höhere Basis gebraucht hätte. Nachdem sich nach einer Stunde warten nichts zum guten geändert hatte, sondern es eher dichter wurde und der angekündigte Nordwind sich langsam bemerkbar machte, gab es nur die Flucht nach vorn. Nach Norden gestartet und zum nächsten Pass geflogen, leider zu flach gewesen zum aufdrehen somit also gelandet und bin dann die restlichen 400 Höhenmeter mit dem Schirm über mir bis auf die Passhöhe gerannt. Nur um festzustellen, dass ich da wohl heute nicht mehr weiterkomme.  Frustration! Alles was Sinn machte als Startplatz zu gelten, erschien mir deutlich ausser Reichweite. So entschloss ich mich nach langem überlegen, zu einem ewigen Fußmarsch bergab. 

John Chambers der Brite, nutzte an diesem Tag seinen Heimvorteil, er wohnt seit vielen Jahren in Chamonix und konnte sich somit von mir und dem Niederländer absetzen.

Für mich gab es mal wieder eine ganz klare Erkenntnis, speziell in Frankreich ist es extrem wichtig das Gelände zu kennen, sonst ist es gerade bei so „halbguten“ Flugtagen sehr schwierig weiterzukommen. Und es ist dort nicht so lustig, in einem dieser V-Täler zu stehen, in denen einem der Talwind um die Ohren pfeift, drei Leitungen queren, ein Fluss und vielleicht noch eine Autobahn die restliche Fläche einnehmen.

Auf jeden Fall nahm ich abends noch den Aufstieg zum Col de la Madeleine in Angriff. Die auf der Karte ausgespähte Fußgängerabkürzung erwies sich dann noch als nächtliche Dschungelwanderung, ohne Pfad in schön steilem Gelände, da freut man sich dann wieder über den Anblick einer Straße. Wieder ging ein Tag zu Ende, der durchaus hätte besser laufen können.

 

 

Tag 14

 

In der früh bin ich noch den Rest des Weges bis zum Col gegangen, dort mit dem Niederländer zusammengetroffen, der sich aber sofort auf dem Luftwege aus dem Staub gemacht hat. Eigentlich wollte ich warten auf bessere Bedingungen, aber es waren schließlich die letzten Stunden und so hieß es: „ hinterher!“


Bei dem langen ruhigen Flug frühmorgens sind mir dann mehrmals die Augen zugefallen, da einfach gar nichts passiert ist und der Körper einfach nur eines will: Erholung. Dann kam es zum finalen Run in Richtung Col de Galibier. Jetzt musste ich noch einmal die letzten Reserven raus holen - woher die kamen weiß ich selbst nicht so genau. Ich wählte, (bzw. trieb mich Flo) einen steileren aber kürzeren Weg Richtung Valloire hoch, der sich dann auch als goldrichtig herausstellte. Der Vorsprung, den ich dort herauslaufen konnte, gab ich dann auch bis zum Schluß nicht mehr her. Auch ein erneuter Startversuch oberhalb von Valloire änderte nichts mehr an meiner Platzierung, ich kam nicht wirklich weg und Ferdinand kam nicht wirklich hinter mir her. Spannend wurde es dann ganz zum Schluß, als ein paar hinter uns noch fliegend unterwegs waren und die direkte Linie Richtung Monaco einschlugen. Denn es zählt am Schluß nichts anderes als die Luftlinie nach Monaco. Aber es blieb für uns wieder mal beim 6. Platz.

 

 

Resumee:

 

Grundsätzlich bin ich mit dieser Platzierung durchaus zufrieden, es ist immer schon ein Erfolg bis zum Schluß noch im Rennen zu sein. Natürlich habe ich mein selbstgestecktes Ziel, in Monaco anzukommen nicht erreicht, daher besteht noch Bedarf zur Verbesserung! Der Schlüssel dazu liegt für mich ganz klar in einer deutlich besseren Vorbereitung, was die Routenwahl und die Geländekenntnis angeht. Mit meiner physischen Vorbereitung bin ich voll zufrieden.


Klar ist auch, das die Vorbereitung aller Athleten jedes Mal noch besser und spezieller wird und es immer verheerender wird sich Fehler zu erlauben, die sind dann irgendwann nicht mehr aufzuholen.

Die Pausenregelung hat sich als sehr hilfreich herausgestellt, man bleibt durch die Regelmäßigkeit der Pause deutlich länger „fit“, was sich auf jeden Fall auch auf die Sicherheit beim fliegen auswirkt. 

Warten wir ab, was es bei den nächsten Red Bull X Alps für Neuigkeiten gibt!

 

 

 

 

Michael Gebert/ www.high-experience.de

 

 

 

 

 

 

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